Deutsches Gesundheitssystem: Zufriedenheit sinkt – was das für Patienten in Österreich heißt
Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Gesundheitssystem sinkt deutlich. Eine österreichische Umfrage zeigt zugleich, dass sich vor allem Frauen beim Arzt oft nicht ernst genommen fühlen.

Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem ist in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Laut einer Erhebung der DAK-Gesundheit bewerten aktuell noch 62 % der Bürger das System positiv, während der Anteil kritischer Stimmen seit 2020 von 11 auf 35 % gestiegen ist. Zwischen 2012 und 2022 lag die Zustimmung noch bei mehr als vier von fünf Befragten.
Für die Befragung befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit zwischen 18. und 30. April 2026 bundesweit 1.015 Personen ab einem Alter von 16 Jahren. Die Ergebnisse zeigen ein Gesundheitssystem, dem die eigenen Nutzer zunehmend skeptisch gegenüberstehen.
Warum sinkt die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem?
Als häufigstes Problem nennen 72 % der Befragten lange Wartezeiten auf einen Arzttermin, laut DAK-Gesundheit ein Anstieg von 15 Prozentpunkten gegenüber 2016. Gut jeder Dritte in der Bevölkerung gibt an, die ärztliche Behandlung in den eigenen Erfahrungen schlechter wahrzunehmen als in früheren Jahren.
- Der Anteil der Menschen, die in ihrer Region einen Ärztemangel wahrnehmen, ist seit 2011 von 13 auf 36 % gestiegen.
- In Ostdeutschland erlebt mehr als jeder Zweite einen Ärztemangel, laut DAK-Gesundheit 57 %.
- Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser ist von 43 % im Jahr 2022 auf aktuell etwa ein Drittel gesunken.
- 59 % der Befragten erwarten, dass sich die Gesundheitsversorgung in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert.
Was bedeutet das für Patienten in Österreich?
Die deutschen Zahlen lassen sich nicht direkt auf Österreich übertragen, da sich die Erhebung ausschließlich auf die deutsche Bevölkerung bezieht. 17 % der Befragten sind demnach mit dem österreichischen Gesundheitssystem nicht zufrieden.
Besonders deutlich fällt der Unterschied zwischen den Geschlechtern aus: 56 % der Männer, aber nur zwei von fünf Frauen in Österreich sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden oder sehr zufrieden.
Unter den heimischen Frauen gibt knapp die Hälfte, konkret 44 %, an, dass ihre Beschwerden manchmal oder öfter nicht für voll genommen würden, während dieser Wert bei Männern bei 23 % liegt. Über ein Drittel der Frauen berichtet, ihre Beschwerden seien als psychisch oder psychosomatisch abgetan worden, bei Männern liegt dieser Anteil bei 15 %.
Auch bei der Medikamentenversorgung zeigt sich ein Rückgang: Nur noch 37 % der Befragten in Österreich empfinden sie als gesichert, im Vorjahr waren es noch 44 %.
Wie geht es weiter?
In Deutschland ist die Erwartungshaltung an die Politik gedämpft. Zwei Drittel der Befragten halten eine umfassende Reform des Gesundheitssystems für notwendig, vor zehn Jahren teilten nur 41 % diese Überzeugung. Lediglich jeder Zehnte glaubt noch an ein Gelingen der geplanten Beitragsstabilisierung bei den gesetzlichen Krankenkassen, während 68 % jede Hoffnung darauf bereits aufgegeben haben.
61 % der Bevölkerung bewerten die Gesundheitspolitik der Bundesregierung negativ, der schlechteste Wert seit 2009. Dennoch unterstützen 74 % der Befragten weiterhin das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenkassen.
