Trockenheit in Österreich: Obst und Gemüse werden knapper in den Regalen
Hitze und Dürre haben Österreichs Obst- und Gemüsebau 2026 hart getroffen: Beim Gemüse fällt der Rückgang noch deutlicher aus als bei Obst.

Die Obsternte in Österreich liegt heuer rund 30 % unter dem Vorjahr, beim Gemüse fällt der Rückgang noch deutlicher aus. Grund dafür sind die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen der vergangenen Monate. Für viele Betriebe bedeutet das deutlich weniger Ernte bei gleichzeitig steigenden Kosten.
Besonders betroffen ist der Obstbau im Osten des Landes. In der Steiermark wird die Apfelernte heuer auf etwa 90.000 Tonnen geschätzt, österreichweit auf rund 130.000 Tonnen. Das liegt etwa 35 % unter dem Niveau des Vorjahres. Noch dramatischer sieht es beim Holunder aus: Hier könnte der Ernteausfall mehr als die Hälfte erreichen, in einzelnen Regionen schließen Branchenvertreter einen Totalausfall nicht mehr aus.
Obstbäume sterben bei jungen Anlagen ganz ab
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer sterben in mehreren Regionen Obstbäume durch die Hitze ab, betroffen sind unter anderem Apfel-, Kirsch- und Holunderanlagen. Besonders junge Anlagen trifft es hart: In manchen Fällen ist dort die gesamte Pflanzung vertrocknet. Als Hauptursachen für die Ertragsrückgänge gelten Sonnenbrand, Hitzeschäden und eine geringere Fruchtgröße.
Nur rund 40 % der Obstbauflächen in Österreich werden überhaupt bewässert. Dort, wo das möglich ist, steigt der Wasserbedarf inzwischen auf das Zwei- bis Fünffache eines durchschnittlichen Jahres. Sinkende Wasserstände erhöhen zugleich den Energieaufwand für die Wasserförderung, und auch der Schädlingsdruck durch Spinnmilben, Thripse und Raupen nimmt bei den hohen Temperaturen deutlich zu.
Gemüsebauern kämpfen mit Wassermangel und höheren Kosten
Im Gemüsebau werden durchschnittliche Ertragseinbußen über alle Kulturen hinweg von 45 % erwartet. Ohne Bewässerung kommt es vielerorts sogar zu Totalausfällen. Nach Angaben von Bauernvertretern fehlen bei Zwiebeln und Karotten gegenüber dem Vorjahr etwa 25 %, während Spinat, Grünerbsen, Edamame und Gewürzkräuter für die Tiefkühlproduktion sogar um fast ein Drittel einbrechen.
Bei Salaten, Kohlgemüse, Gurken, Paprika und Melanzani konnten gute Herbsterträge einen Teil der Sommerverluste wieder ausgleichen.
Verschärft wird die Lage durch den Zeitdruck in der Verarbeitung: Weil verschiedene Kulturen wie Buschbohnen, Grünerbsen und Edamame durch die Hitze gleichzeitig reif werden, geraten Ernte, Transport und Verarbeitung an ihre Kapazitätsgrenzen. Zusätzlich neigen sich vielerorts in den östlichen Anbaugebieten die Füllstände von Speicherteichen und Bewässerungsanlagen bereits dem Ende zu.
Rechenbeispiel: Was die Bewässerung zusätzlich kostet
Die Mehrkosten für Bewässerung, Energie und zusätzliche Arbeitskräfte liegen je nach Kultur bei 300 bis 700 Euro pro Hektar.
Bei einem mittleren Betrieb mit 10 Hektar Anbaufläche summiert sich das auf 3.000 bis 7.000 Euro zusätzliche Ausgaben allein für die Bewässerungssaison – Geld, das in einem durchschnittlichen Jahr nicht anfällt. Diese Mehrkosten kommen zu den ohnehin geringeren Erntemengen hinzu und schmälern die Einnahmen der Betriebe doppelt.
Was das für Einkäufer in Österreich bedeutet
Für die Verbraucher gestalten sich die Konsequenzen der Ernteausfälle zweigeteilt: Nach Angaben des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse (ÖBOG) konnten stabile Erzeugerpreise bei Frischwaren die Ertragseinbußen für die Betriebe bisher ein Stück weit kompensieren. Im Segment des Tiefkühlgemüses steuert der Markt jedoch auf Engpässe zu. Verschärft wird diese Entwicklung durch das besiegelte Aus des Ardo-Tiefkühlwerkes in Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) im Sommer 2027. Die Schließung des Standorts, der mit rund 500 Zulieferbetrieben etwa 80 % der gesamten heimischen Produktion abdeckt, steht nach dem endgültigen Scheitern aller Rettungspläne unwiderruflich fest.





