Ganz Österreich · Vermischtes
Daniel Kehlmann: Wie sein neuer Roman Afrika den Kolonialismus lächerlich macht
Kehlmanns neuer Roman macht die Berliner Afrikakonferenz von 1884/1885 zur Komödie und ist sein bislang kürzestes und lustigstes Buch.
Im Mittelpunkt steht die Berliner Afrikakonferenz von 1884/1885, bei der europäische Mächte den Kontinent unter sich aufteilten.
Kehlmann verdichtet das historische Ereignis auf nur 24 Stunden Handlungszeit und zeigt dabei vor allem die österreichisch-ungarische Delegation als Sinnbild für Trägheit und Selbstgefälligkeit der damaligen Mächtigen.
Worum geht es in Afrika?
Der Roman folgt der österreichisch-ungarischen Delegation während der Konferenz, bei der das Schicksal eines ganzen Kontinents verhandelt wird, während sich die handelnden Personen lieber mit Belanglosem beschäftigen. So zieht es den österreichischen Botschafter in der Erzählung vor, ein Klavierstück von Franz Liszt zu studieren, statt sich mit den afrikanischen Angelegenheiten auseinanderzusetzen.
Diese Episode steht beispielhaft für das, was der Roman insgesamt vermitteln will: eine Mischung aus Vergnügungssucht, Faulheit und Selbsteingenommenheit der Mächtigen, die über das Leben anderer entscheiden, ohne sich dafür zu interessieren.
Wie verspottet Kehlmann die Kolonialmächte?
Kehlmann setzt dabei gezielt auf Lächerlichkeit und Satire als Stilmittel, um Macht und Politik zu kritisieren. Der Roman zeichnet die österreichisch-ungarische Bürokratie als ineffizient und überfordert mit den Fragen, die die Konferenz eigentlich klären sollte.
Dabei verbindet der Autor reale historische Vorgänge mit erfundenen und humorvollen Elementen. Eine Szene, in der bei einem Ball des Kronprinzen dunkel angemalte Tänzer auftreten, geht auf tatsächliche Ereignisse der Zeit zurück und zeigt, wie tief rassistische Vorstellungen damals im gesellschaftlichen Leben verankert waren.
Warum ist der Roman so kurz?
Mit 250 Seiten fällt Afrika deutlich schmaler aus als frühere Werke Kehlmanns.
- Der Roman Die Vermessung der Welt erschien 2005 und machte Kehlmann international bekannt.
- Tyll kam 2017 heraus und beschäftigte sich ebenfalls mit historischem Stoff.
- Lichtspiel folgte 2023 und war wie Tyll etwa doppelt so lang wie Afrika.
- Kehlmann beschäftigt sich damit bereits seit zwei Jahrzehnten intensiv mit historischen Themen.
Die kürzere Form passt zum zugespitzten, komödiantischen Ton des neuen Buches, mit dem Kehlmann ein ernstes Kapitel europäischer Geschichte auf ungewohnt leichte Art verhandelt.
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