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Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam gestürmt: Polizei nimmt über 150 Demonstranten fest
Mehr als 100 Bürgerrechtsgruppen aus 15 europäischen Ländern fordern ein sofortiges Moratorium für neue Rechenzentren, weil diese Energie, Wasser und Wohnraum knapp machen.
In Amsterdam sind Hunderte Demonstranten am Freitag auf das Bauprojekt eines Microsoft-Rechenzentrums vorgedrungen. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben zwischen 150 und 200 Personen wegen Hausfriedensbruchs fest. Der Vorfall war Teil einer europaweiten Protestwelle gegen den schnellen Ausbau von Rechenzentren.
Bei einigen Festgenommenen wurde laut Polizei mutmaßlich von der Baustelle gestohlenes Material sichergestellt. Mehrere Demonstranten sollen zudem Sachbeschädigungen auf dem Gelände begangen haben, wobei diese Angabe bislang unbestätigt ist.
Zwei Gruppen drangen auf die Baustelle vor
An dem Protest waren Demonstranten von mindestens zwei verschiedenen Gruppierungen beteiligt. Die Organisation Fossielvrij NL protestierte vor der Baustelle, weil Rechenzentren große Mengen Energie verbrauchen. Die Gruppierung Geef Tegengas versuchte mit Werkzeug, Zäune aufzubrechen, um auf das Gelände zu gelangen.
Geef Tegengas setzt nach eigener Darstellung Blockaden von Infrastruktur, Häfen oder Baustellen als Protestmittel gegen fossile Energien, Kapitalismus, Aufrüstung oder große Tech-Projekte ein.
Die Polizei forderte die Demonstranten zunächst auf, ihr Werkzeug abzugeben, und gab ihnen danach den Weg zum offiziellen Versammlungsort frei. Die Demonstranten verschafften sich anschließend gewaltsam Zugang zum Baugelände, woraufhin die Bereitschaftspolizei Schlagstöcke einsetzte.
Mehr als 100 Gruppen aus 15 Ländern beteiligen sich
Der Protest in Amsterdam steht nicht allein. Mehr als 100 Bürgerrechtsgruppen aus 15 europäischen Ländern beteiligen sich an zwei aufeinanderfolgenden Protesttagen, die Aktionen sind in acht Ländern geplant. Unter dem Namen Stop Dirty Data Centres fordern die Organisatoren ein sofortiges Moratorium für neue Großprojekte von Rechenzentren, verbunden mit der Bedingung, dass klarere Betriebsregeln festgelegt werden.
Die Organisatoren begründen die Proteste mit wachsenden Bedenken zu den Auswirkungen von Rechenzentren auf lokale Gemeinschaften: Flächenverbrauch, Wasser- und Energieverbrauch, Wohnraum, Arbeitsplätze und Lebenshaltungskosten stehen demnach im Mittelpunkt der Kritik. Beteiligt sind neben Umweltschutzgruppen auch Organisationen für digitale Rechte und zivilgesellschaftliche Initiativen.
Auch die US-Wahl drehte sich um Rechenzentren
Das Thema beschäftigte in dieser Woche auch die US-Zwischenwahlen. Die Demokraten errangen demnach die Kontrolle über den US-Kongress unter anderem mit dem Versprechen, den Ausbau von KI-Zentren zu bremsen und große Technologiekonzerne stärker zu regulieren. Republikaner gelten dagegen als Befürworter einer freien Hand beim Bau neuer Anlagen.
Menschen in den USA und Europa sorgen sich laut den Organisatoren zunehmend über steigende Energierechnungen und den zusätzlichen Druck auf Wasserressourcen durch den Betrieb der Anlagen. Anwohner berichten zudem von Luftverschmutzung durch Notstromaggregate und erhöhtem Baustellenverkehr rund um bestehende Rechenzentren.
Was die Proteste für die Zukunft bedeuten
Die geplanten Protestaktionen reichen von Demonstrationen und öffentlichen Versammlungen über Infostände und Petitionen bis zu Stadtspaziergängen, Fahrradtouren und Gedichtlesungen.
Europa treibt den Ausbau von Rechenzentren derzeit voran, um bei der Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz mit den USA und China aufzuschließen. Laut dem PwC Global Data Centre Outlook 2026-2050 lagen die jährlichen Investitionen in Rechenzentren in Europa im Jahr 2020 bei zwölf Milliarden Euro.
Die Protestbewegung will mit ihren Forderungen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene ansetzen, um weitere Großprojekte zu verzögern oder zu stoppen.
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