Gemeinnützige Wohnungen in Österreich: Warum Mieter im Schnitt 228 Euro sparen
Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts zeigt, dass der Mietvorteil gemeinnütziger Wohnungen auch private Mieten bremst und sich volkswirtschaftlich auf rund 2,5 Milliarden Euro jährlich summiert.

Mieter in gemeinnützigen Wohnungen zahlen in Österreich im Schnitt rund 228 Euro weniger Miete im Monat als in einer vergleichbaren privaten Wohnung. Das ergibt eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO).
Die Untersuchung rückt damit einen Teil des österreichischen Wohnungsmarkts in den Fokus, der oft im Schatten der Debatte um steigende Mieten steht: die gemeinnützigen Bauvereinigungen. Sie verwalten mehr als eine Million Wohnungen, in denen laut WIFO über zwei Millionen Menschen leben.
Wen betrifft der Mietvorteil konkret?
Betroffen sind vor allem Haushalte, die in einer der 173 gemeinnützigen Bauvereinigungen Österreichs wohnen. Besonders deutlich fällt der Unterschied dort aus, wo der private Wohnungsmarkt angespannt ist. Laut WIFO liegt der Vorteil in Tirol, Wien und Salzburg über dem Österreich-Schnitt.
- In Tirol beträgt der regionale Mietvorteil rund 5,0 Euro je Quadratmeter.
- In Wien liegt er bei etwa 4,7 Euro je Quadratmeter.
- In Salzburg und Vorarlberg sind es jeweils rund 4,5 Euro je Quadratmeter.
- Bei Gebäuden, die seit 2011 errichtet wurden, liegt der Vorteil ebenfalls bei etwa 4,5 Euro je Quadratmeter.
Ein überproportionaler Teil dieses Vorteils kommt laut WIFO Haushalten mit niedrigeren Einkommen zugute. Das entspricht der Beobachtung, dass die privaten Mieten in den vergangenen Jahren infolge der hohen Inflation und des veränderten Zinsumfelds deutlich stärker gestiegen sind als die Kostenmieten im gemeinnützigen Sektor.
Was bedeutet das für den gesamten Mietmarkt?
Der Effekt beschränkt sich nicht auf die Bewohner gemeinnütziger Wohnungen selbst. Steigt der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in einer Region um zehn Prozentpunkte, sinken laut WIFO auch die privaten Mieten dort im Schnitt um etwa 0,30 Euro je Quadratmeter. Gemeinnützige Anbieter wirken demnach preisdämpfend auf den gesamten Markt.
Addiert man diese Entlastung über ganz Österreich, kommt die Studie auf einen jährlichen Wohnkostenvorteil von rund 2,5 Milliarden Euro. Darin steckt sowohl die direkte Ersparnis der Mieter als auch die preisdämpfende Wirkung auf private Vermieter.
Rechenbeispiel
Ein Haushalt, der monatlich 228 Euro weniger Miete zahlt, spart im Jahr rund 2.736 Euro. Bei rund einer Million gemeinnützigen Wohnungen in Österreich ergibt das allein durch die direkte Mietdifferenz eine beträchtliche Entlastung der Haushaltsbudgets, zu der laut WIFO noch die preisdämpfende Wirkung auf den privaten Markt hinzukommt – zusammen die genannten 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Welche Folgen hat das für die öffentliche Hand?
Der gemeinnützige Wohnbau wirkt sich laut WIFO auch auf den Staatshaushalt aus. Weil Mieter weniger Unterstützung benötigen, sinkt der Bedarf an Wohnbeihilfe und Sozialhilfe um geschätzte 280 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Österreich gibt derzeit insgesamt rund 300 Millionen Euro jährlich für Wohnbeihilfen aus.
Hinzu kommt ein gesamtwirtschaftlicher Effekt: Weil Mieter durch niedrigere Wohnkosten mehr Kaufkraft haben, beziffert das WIFO den positiven Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt mit bis zu 2 Milliarden Euro im Jahr. Die ökonomische Bedeutung der gemeinnützigen Bauvereinigungen hat damit seit einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2021 spürbar zugenommen.
Experten und Verbandsvertreter fordern eine Offensive für den gemeinnützigen Wohnbau zur Umsetzung des im Regierungsprogramm vorgesehenen WGG-Pakets.


