Zum Inhalt springen

Ausland

Stromkrise in Kiew: Selenskij und Klitschko schieben sich gegenseitig die Schuld zu

Mehr als drei Millionen Menschen in Kiew leiden unter Strom- und Wasserausfällen, während Präsident Selenskij und Bürgermeister Klitschko einander öffentlich die Verantwortung zuschieben.

Verantwortliche Person: Lena Sommer
Dunkle Wohnstraße bei Stromausfall mit Notstromaggregat auf dem Gehsteig, Symbolbild für die Versorgungskrise in Kiew – Foto: donterase / Pixabay
Foto: donterase / Pixabay

In Kiew fallen nach Angriffen auf die Energieinfrastruktur immer wieder Strom und Wasser aus, betroffen sind mehr als drei Millionen Einwohner der ukrainischen Hauptstadt. Präsident Wolodimir Selenskij macht dafür ausbleibende Vorbereitungen auf die Angriffe verantwortlich. Bürgermeister Vitali Klitschko weist das zurück und wirft seinerseits der Zentralregierung Versäumnisse vor.

Selenskij erklärte, die aktuelle Versorgungslage in der Hauptstadt sei eine Folge fehlender Vorbereitung auf die russischen Angriffe. Klitschko wiederum wirft der Regierung vor, die Genehmigung eines Notfallplans für Kiew zu verzögern. Nach seinen Worten versucht die Zentralregierung, ihn durch Manipulationen zu schwächen.

Zwei Gigawatt fehlen der Stadt an Strom

Nach Angaben von Klitschko benötigt Kiew rund zwei Gigawatt Stromleistung, um die Versorgung sicherzustellen. Generatoren und Notstromaggregate können diesen Bedarf nicht vollständig decken. Der Bürgermeister verweist zudem darauf, dass der mit Generatoren erzeugte Strom wegen Rekordpreisen für Kraftstoff in der Ukraine sehr teuer ist.

Notstromaggregate lassen sich zudem nicht dauerhaft ohne Unterbrechung betreiben, da sie regelmäßige Wartung benötigen. Der stabile Betrieb der lebenswichtigen Infrastruktur in Kiew sei dadurch stark gefährdet, so Klitschko.

Ein Konflikt, der seit Jahren schwelt

Der Streit zwischen Selenskij und Klitschko ist nicht neu, beide liegen bereits seit Jahren über Kreuz. Der Krieg in der Ukraine dauert mittlerweile etwa fünf Jahre an.

Nach ukrainischem Recht dürfen während des Krieges keine Wahlen stattfinden. Dadurch bleiben sowohl Selenskij als auch Klitschko über ihre regulären Amtszeiten hinaus im Amt, ohne dass Wähler über eine Neubesetzung entscheiden können. Selenskij hatte die Stadtverwaltung bereits in der Vergangenheit wegen des Zustands von Luftschutzkellern kritisiert.

Klitschko spricht von unbeantworteten Bitten um ein Treffen

Klitschko erklärte, seine Bitten um ein persönliches Treffen mit dem Präsidenten seien bislang unbeantwortet geblieben. Selenskij hält dem entgegen, eine Zusammenarbeit sei schwierig, weil der Bürgermeister Versuche, die Stadtverwaltung zu stärken, als Absicht interpretiere, ihn zu ersetzen. Eine gemeinsame Linie zwischen Präsidentenamt und Stadtverwaltung ist damit derzeit nicht erkennbar.

Wie es für die Bewohner Kiews weitergeht

Für die Bewohner der Hauptstadt bleibt die Versorgungslage angespannt, solange Notfallplan und Wiederaufbau der zerstörten Stromerzeugung offen sind. Ob und wann sich Präsident und Bürgermeister auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, ist derzeit nicht absehbar.

Ähnliche Berichte