– °C

Strom, Gas & Heizen

Bundesnetzagentur plant Solar-Netzgebühr: Besitzer sollen deutlich draufzahlen

Ein Rechtsgutachten im Auftrag von elf deutschen Bundesverbänden sieht in der geplanten Abgabe Verstöße gegen EU-Recht und den verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz.

Foto: Solarimo / Pixabay
Foto: Solarimo / Pixabay · Symbolbild, KI-erzeugt

Die deutsche Bundesnetzagentur plant eine zusätzliche Netzgebühr für Solaranlagen, die unabhängig von der tatsächlichen Netzbelastung erhoben werden soll. Elf Bundesverbände warnen, dass die Abgabe die Wirtschaftlichkeit bestehender und neuer Anlagen erheblich verschlechtern könnte. Gleichzeitig plant die Bundesregierung zusätzliche Kürzungen bei der Solarstromförderung.

Was in Deutschland geplant ist

Nach den Plänen der Bundesnetzagentur sollen Betreiber von Solaranlagen künftig stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Der Aufschlag soll pauschal anfallen, also unabhängig davon, wie viel Strom eine Anlage tatsächlich ins Netz einspeist. Für Besitzer bedeutet das ein zusätzliches Kostenrisiko, dessen genaue Höhe die Verbände bislang nicht beziffern.

Wen die geplante Regelung betrifft

Betroffen wären sowohl Betreiber bestehender Anlagen als auch Personen, die eine neue Solaranlage installieren wollen. Die elf Bundesverbände, die sich zu dem gemeinsamen Appell zusammengeschlossen haben, vertreten nach eigenen Angaben einen Großteil der deutschen Solarbranche. Sie befürchten, dass die Gebühr vor allem jene Haushalte trifft, die bereits in eine Anlage investiert haben.

Rechtsgutachten sieht mehrere Verstöße

Ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Dörte Fouquet kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante Gebühr gegen europarechtliche Vorgaben zur verursachungsgerechten Netzfinanzierung verstößt.

Das Gutachten sieht zudem einen Verstoß gegen den verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz für Bestandsanlagen sowie gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Es wurde am 30. September 2026 erstellt und bildet die rechtliche Grundlage für den Appell der Verbände, der am 8. Oktober 2026 veröffentlicht wurde.

Was eine Umfrage zur Stimmung zeigt

Eine Befragung unter 2.105 Wahlberechtigten ergab, dass 46 % eine stärkere Kostenbeteiligung ablehnen, wenn diese unabhängig von der genutzten Netzanschlusskapazität erfolgt und die Wirtschaftlichkeit einer Anlage verschlechtert. Nur 25 % befürworten eine solche Regelung unter diesen Bedingungen. Die Verbände werten das Ergebnis als Beleg dafür, dass die geplante Netzgebühr auf wenig Rückhalt in der Bevölkerung stößt.

Was die Verbände stattdessen fordern

Die elf Verbände fordern, dass Netzkosten künftig nach der tatsächlichen Netzbelastung verteilt werden. Sollte eine zusätzliche Beteiligung von Solaranlagenbetreibern notwendig sein, solle sie sich an der tatsächlich vereinbarten Einspeisekapazität orientieren statt an einer Pauschale. Zudem verlangen sie Bestandsschutz für bereits installierte Anlagen, damit Investitionen nicht nachträglich entwertet werden.

  • Die Bundesnetzagentur plant eine pauschale Netzgebühr für Solaranlagenbetreiber.
  • Ein Rechtsgutachten sieht Verstöße gegen EU-Recht, Vertrauensschutz und Gleichbehandlung.
  • 46 % der Befragten lehnen die geplante Regelung ab, 25 % befürworten sie.
  • Die Verbände fordern Bestandsschutz und eine Abrechnung nach tatsächlicher Netznutzung.
  • Die Bundesregierung plant zusätzlich Kürzungen bei der Solarstromförderung.

Was das für Leser in Österreich bedeutet

Die Pläne betreffen zunächst ausschließlich die Rechtslage in Deutschland und die dortige Bundesnetzagentur. Für österreichische Solaranlagenbesitzer gelten andere Netzentgelt-Regelungen.

Ähnliche Berichte