Super-El-Niño heizt Pazifik auf: Was das für Schnee zu Weihnachten in Österreich bedeutet
Die US-Klimabehörde NOAA rechnet mit 75 % Wahrscheinlichkeit für den stärksten El Niño seit Messbeginn 1950 – was das für die Schneechancen in Österreich bedeutet, ist damit aber noch nicht gesagt.

Im tropischen Pazifik hat sich nach Analysen der US-Klimabehörde NOAA ein historisch starker El Niño aufgebaut, der mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent alle bisherigen Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 übertreffen könnte. Auslöser der weltweiten Debatten ist eine extreme Erwärmung des Ozeans: In der zentralen Messzone liegt die Meeresoberflächentemperatur aktuell mehr als 3 Grad über dem klimatischen Durchschnitt, während die Abweichungen in Tiefen zwischen 50 und 150 Metern punktuell sogar bis zu 8 Grad erreichen.
Obwohl dieses Klimaphänomen in Österreich und den Alpenregionen Hoffnungen auf verbreiteten Weihnachtsschnee weckt, dämpfen Meteorologen die Erwartungen. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist eine verlässliche Prognose für weiße Weihnachten zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, da die atmosphärischen Auswirkungen des Pazifiks auf das mitteleuropäische Winterwetter hochkomplex und nicht direkt gekoppelt sind.
Wie stark wird der El Niño wirklich?
Die bisherigen historischen Super-Ereignisse der Jahre 1997/98 und 2015/16 erreichten im maßgeblichen ozeanischen Index Spitzenwerte von plus 2,4 bzw. plus 2,6 Grad. Um einen neuen Allzeit-Rekord aufzustellen, muss die aktuelle Anomalie im tropischen Pazifik diese bisherige Höchstmarke von 2,6 Grad dauerhaft überschreiten. Jüngste Messungen der Meeresoberfläche und aktuelle Klimamodelle deuten im Herbst massiv darauf hin, dass dieser historische Schwellenwert auf dem Höhepunkt des Phänomens im Winter übertroffen werden könnte.
Bedeutet ein starker El Niño automatisch Schnee zu Weihnachten in Österreich?
Ein starker El Niño allein ermöglicht laut Deutschem Wetterdienst keine sichere Vorhersage für einen kalten Winter in Europa. Typischerweise verläuft der Frühwinter bei El Niño eher mild, nass und stürmisch.
Allerdings kann ein kräftiger El Niño auch den Polarwirbel aus dem Gleichgewicht bringen und dadurch Kaltluft Richtung Süden lenken; auf diese Weise kam es im Winter 2023/24, der ebenfalls von El Niño geprägt war, Anfang Dezember zu kräftigen Schneefällen in München.
Wie unberechenbar das Zusammenspiel aus Polarwirbel und Kaltluft ist, zeigen einige Zahlen aus früheren Wintern und zur Schneewahrscheinlichkeit im Flachland.
- Im Flachland tritt eine echte weiße Weihnacht laut diverser Auswertungen nur etwa alle acht bis zehn Jahre auf, zuletzt flächendeckend im Jahr 2010.
- Ab einer Höhe von 600 bis 800 Metern ist Schnee an Weihnachten demnach fast schon normal.
- So sank das Thermometer am 20. Januar 2024 in Leutkirch im Allgäu bis auf minus 19,5 Grad, wohingegen der Februar desselben Jahres mit im Schnitt 6,6 Grad auffallend mild blieb.
- Insgesamt gehörte der Winter 2023/24 trotz dieser Ausreißer zu den mildesten seit Messbeginn.
Wann werden die Prognosen für die Feiertage verlässlich?
Mitte Oktober lassen sich aus den Wettermodellen noch keine konkreten, tagesgenauen Vorhersagen für den Jahreswechsel ablesen. Zwar diskutieren Experten wie der Meteorologe Dominik Jung basierend auf dem aktiven Super-El-Niño theoretische Szenarien, bei denen milde Atlantikluft auf eisige kontinentale Luftmassen treffen könnte – was zu erheblichem Schneefall oder Eisregen führen würde –, doch handelt es sich hierbei um rein statistische Möglichkeiten und keine aktuellen Berechnungen für Silvester. Der Deutsche Wetterdienst betont in diesem Zusammenhang, dass eine erste belastbare Tendenz für den weiteren Verlauf des Hochwinters frühestens im Laufe des Novembers zu erwarten ist.
Wer seine Winter- und Weihnachtsplanung verlässlich an der realen Schneelage ausrichten möchte, muss sich noch gedulden. Erst wenn im November die erweiterten Trendprognosen stabiler werden und ab Anfang Dezember die hochauflösenden Kurzfristmodelle greifen, lässt sich absehen, ob Österreich und die Alpenregionen mit weißen Weihnachten rechnen können.









